Krisenintervention: Ihre Teddybären spenden Trost

Wenn das Gröbenzeller Kriseninterventionsteam ausrückt, um kleinen Opfern zu helfen, haben sie seit Jahren Teddybären von zwei fleißigen Näherinnen im Gepäck. Heuer ist alles anders: Eine Teddy-Mama ist gestorben. Die andere braucht nun eigentlich selbst einen Seelentröster – und macht trotzdem tapfer weiter.

Gröbenzell – Stirbt ein Mensch bei einem schweren Verkehrsunfall, nimmt eine Mutter oder ein Vater sich das Leben, überlebt ein Mann oder eine Frau einen schweren Herzinfarkt nicht, dann kommt das Kriseninterventionsteam (KIT) des Malteser Hilfsdienstes mit Sitz in Gröbenzell zum Einsatz. Sie sind für die Angehörigen da, hören ihnen zu, bieten Trost. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder sind immer wieder von solch traumatischen Ereignissen betroffen. Für sie haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter des KIT etwas ganz Besonderes dabei: einen Teddybären.

„Ein Teddy bietet Halt und Trost“, weiß Carmen Sturz, die Teamleiterin des Kriseninterventionsteams. Nicht nur kleine Kinder, selbst Jugendliche nehmen diesen Trost in der Regel gerne an. Glücklich ist sie daher, dass sie jedes Jahr im Herbst die plüschigen Bären gestiftet bekommt. Jedes Kuscheltier ist ein Einzelstück. Auch dieses Jahr konnte sie wieder 35 Stück in Empfang nehmen. Diesmal war die Freude besonders groß, da gar nicht sicher war, ob wieder Bären angefertigt werden.

Diese Aufgabe hat die Bruckerin Helga Seemüller bereits seit Jahren übernommen. Doch die 79-Jährige erlitt vor Kurzem selbst einen schlimmen Verlust. Seit 2001 nähte sie mit ihrer Freundin Brigitte Staudigel die Bären für den Gröbenzeller Kriseninterventionsdienst. Doch 2017 starb die Freundin. Ihr Tod nimmt Seemüller bis heute schwer mit. Lange hat sie überlegt, ob sie alleine weitermacht. Doch die Freude an den Bären und die Hoffnung, Kindern damit Trost spenden zu können, waren größer als die Trauer.

Es ist bereits 20 Jahre her, dass Seemüller ihren ersten Bären herstellte. Sie besuchte 1998 einen Kurs in einem Spielwarengeschäft. Ihr erstes Produkt hat bis heute einen Ehrenplatz in ihrem Wohnzimmer.

Obwohl der Bär nicht ganz so geworden ist, wie sie es sich vorgestellt hatte. „Die Nase ist nicht gelungen“, erläutert sie. „Die Nase ist das schwierigste bei der Herstellung eines Teddybären.“ So manches Näschen muss sie zwei bis drei Mal produzieren. Rund sechs Stunden benötigt sie für einen Bären.

Das Material dafür besorgt sie einmal im Jahr in Wiesbaden. Hier bekommt sie die farbigen Plüschstoffe, die Stoffe für Füße und Hände und die Augen. Die Stoffe sind alle aus Baumwolle und die Augen aus Plastik. Glas könnte zerbrechen und die Kinder verletzen. Was sie das Material kostet, verrät die 79-Jährige nicht.

Von Anfang an aber wollte sie nicht für sich selber produzieren, sondern anderen Menschen, beziehungsweise Kindern, damit eine Freude machen. In den ersten Jahren spendete sie dem Bayerischen Roten Kreuz ihre Bären. Seit 2014 freut sich das Kriseninterventionsteam der Malteser über die plüschigen Seelentröster. „Wir sind dafür sehr dankbar“, freut sich Carmen Sturz. Wie sehr jeder Bär Helga Seemüller während des Fertigungs-Prozesses ans Herz gewachsen ist, erlebt Carmen Sturz vom Kriseninterventionsteam jedes Jahr wieder bei der Übergabe. „Jeder Bär wird einzeln verabschiedet und vorsichtig in einen Korb gesetzt“, berichtet sie. Käuflich erwerben kann man Seemüllers Lieblinge im Übrigen auch: Jedes Jahr beim Fürstenfelder Adventsmarkt am ersten und zweiten Adventswochenende. (sus)